Sie sind hier

Mutmacher

Kick it like »Refugees United«

© BSG Chemie Leipzig

Ein Leipziger Fußballverein hat eine tolle Aktion ins Leben gerufen: Neben den Vereinsmitgliedern kicken dort nun auch Flüchtlingskinder unter dem Motto »Refugees United«. Einem solch wunderbaren Ansatz zur gesellschaftlichen Integration junger Menschen kann man nur gratulieren und zahlreiche Nachahmerinnen und Nachahmer wünschen! Die Jury des Sächsischen Förderpreises für Demokratie ist beeindruckt vom klugen und mutigen Engagement des BSG Chemie Leipzig und seiner Fans und nominiert das Projekt »Refugees United« für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2014.

Nach wie vor gehören rassistische, antisemitische und diskriminierende Gesänge und Slogans zum Alltag der bundesdeutschen Fußball-Kultur. Der Massenprotest von rechtsextremen Hooligans in Köln Ende Oktober, bei dem Gruppen und Personen aus ganz Deutschland aufgelaufen sind, zeigt das mehr als deutlich. Der Fußball als sozialer Raum leidet dabei unter einer ständigen Bedrohung durch rechtsextreme Gruppen.
Während diese in Bundesliga-Stadien zunehmend tabuisiert werden, sind sie insbesondere im ländlichen Raum weiterhin Wochenende für Wochenende zu hören. Zwar sind Antirassismus, Antidiskriminierung und Demokratieförderung formal durchaus kommunizierte Ziele der Vereine und Verantwortlichen, verstanden und gelebt werden sie jedoch kaum. Im Gegenteil: Die Praxis zeigt, dass Engagement, Kritik und gelebte Streitkultur permanent ausgebremst und angefeindet werden.

Das es auch anders gehen kann und der Teufelskreis der Radikalisierung durchbrochen werden kann, zeigen der Verein BSG Chemie Leipzig und seine Fans seit Jahren: über Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit, Projekte und Aktionen.
Regelmäßig organisieren sie antirassistische Fußballturniere und thematisieren Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus weithin sichtbar in Choreographien und Spruchbändern im Stadion. In Workshops wird gemeinsam über Rollen- und Geschlechterbilder im Fußball diskutiert oder darüber, wie der spielerische Gegner möglichst originell beschimpft werden kann, ohne dabei zu diskriminieren. Die Stadionordnung, von Fans erarbeitet, untersagt neben Nazi-Ideologien auch Sexismus und Homophobie. Für seine basisdemokratischen Strukturen, den hohen Grad an Beteiligungsmöglichkeiten und seine aktive und kreative antirassistische Fanszene ist der Verein nicht umsonst über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Gemeinsam mit Trägern von Flüchtlingsunterkünften setzt das Fanprojekt Leipzig nun einen weiteren Akzent. Angestoßen durch den Besuch von zwanzig Flüchtlingskindern bei einem Spiel der ersten Männermannschaft entstand die Idee für »Refugees United«. Ein Angebot speziell für Kinder und jugendliche Bewohner/innen von Flüchtlingsunterkünften Leipzigs, in die Vereins- und Nachwuchsstrukturen der BSG Chemie hineinzuwachsen.

Von allein klappt dies allerdings nicht, dafür sind strukturelle und kommunikative Hürden zu hoch. Deswegen bedarf es vieler Helfenden: In Absprache mit Sozialarbeiter/innen vor Ort werden die Kinder und Jugendlichen je nach Bedarf dezentral abgeholt und zum Training gebracht. Der Transport wird durch die Fans des Vereins organisiert, die sportliche Betreuung durch die Nachwuchstrainer/innen und die sozialpädagogische Unterstützung durch Fachkräfte von benachbarten Einrichtungen der Jugendhilfe. Das Ziel: Im gemeinsamen Training wachsen Flüchtlinge und lokale Nachwuchsspieler/innen zu einem Team zusammen.

Einem solch wunderbaren Ansatz zur gesellschaftlichen Integration junger Menschen kann man nur gratulieren und zahlreiche Nachahmer/innen wünschen! Die Jury des Sächsischen Förderpreises für Demokratie ist beeindruckt vom klugen und mutigen Engagement des BSG Chemie Leipzig und seiner Fans und nominiert das Projekt »Refugees United« für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2014.

Die Verleihung des Sächsischen Förderpreises findet am 7. November im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses in Leipzig statt.
Die Laudatio hält Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Bundesjustizministerin a.D.). Bastian Wierzioch (MDR Figaro) führt durch den Abend. Für die musikalische Begleitung sorgt der Leipziger Sebastian Krumbiegel.

Die auslobenden Stiftungen sind die Amadeu Antonio Stiftung, die Freudenberg Stiftung, die Sebastian Cobler Stiftung und die Stiftung Elemente der Begeisterung.