Sie sind hier

Mutmacher

Hand in Hand für ein gemeinsames Miteinander

© Initiative Ebersdorf/Hilbersdorf bei der AG In- und Ausländer e. V.

In Ebersdorf-Hilbersdorf hat sich eine engagierte Anwohnerschaft zusammengeschlossen, um durch verschiedene Aktionen mit Flüchtlingen in Kontakt zu treten und ein gemeinsames Miteinander zu gestalten. Für ihr Engagement sind sie nun für den diesjährigen Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert.

Bis September 2013 befand sich die einzige sächsische Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende im Chemnitzer Stadtteil Ebersdorf-Hilbersdorf. Steigende Flüchtlingszahlen führten zu einer massiven Überfüllung der Einrichtung und zu unzumutbaren Lebensbedingungen. Konflikte unter den Bewohnern wurden von den Medien aufgegriffen und breit dargestellt. Die NPD und Initiativen des rechten Spektrums nutzten die Situation, um insbesondere im Kommunalwahlkampf Ängste zu schüren und offen gegen Asylbewerber zu hetzen, u.a. mit Postwurfsendungen und Demonstrationen. Anklang fanden die Anfeindungen auch bei den Anwohner/innen, die sich mehr und mehr den Protesten anschlossen. Einen bitteren Höhepunkt der Ablehnung bildete schließlich eine Petition der Anwohnenden zur Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung.

Diese Situation wollten andere Chemnitzer nicht länger hinnehmen und so gründeten im Januar 2014 Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Vereine und Bürgerinitiativen, der Kirchen und demokratischer Parteien, aber auch Privatpersonen und Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung Chemnitz die Initiative Ebersdorf/Hilbersdorf. Ihr Anliegen ist es, die Situation der in Chemnitz lebenden Flüchtlinge zu verbessern, über ihre Situation aufzuklären und die bestehenden Konflikte abzubauen. Ganz zentral dafür sind Informationen zum Thema Asyl. Die sind für alle Chemnitzer wichtig – die, die schon da sind und die, die gerade neu dazu kommen. So verteilt die Initiative einerseits praktisches Informationsmaterial an die Flüchtlinge und berichtet andererseits immer wieder im Stadtteilmagazin über deren schwierige Lebenssituation.

Am Herzen liegt den Engagierten eine gelebte Willkommenskultur mit Begegnungsmöglichkeiten zwischen alteingesessenen Chemnitzern und Flüchtlingen. Zwar hat die Initiative die Erlaubnis, Besuche in der Unterkunft machen zu dürfen, aufgrund der hohen Fluktuation der in der Einrichtung untergebrachten Menschen ist eine kontinuierliche Betreuung Einzelner aber kaum möglich. Begegnungen finden also vor allem andernorts statt, bei gemeinsamen Stadtrundgängen oder einer der Gästetouren, zu denen die Verkehrsbetriebe einladen.

Besonders erfolgreich ist die „Aktion Frühjahrsputz“. Bereits viermal wurden die Putzaktionen durchgeführt, bei denen Flüchtlinge und Chemnitzer Aktive gemeinsam im Stadtteil rund um die Unterkunft aufräumen. Beim gemeinsamen Arbeiten ergeben sich Gespräche und Begegnung ganz ungezwungen und die Anwohner/innen haben Gelegenheit, die Geflüchteten jenseits aller Befangenheiten als einzelne Menschen wahrzunehmen. Ein anschließendes Picknick lädt dazu ein, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und Unsicherheiten abzubauen.
Das Engagement der Initiative Ebersdorf/Hilbersdorf verdient hohen Respekt und wir freuen uns, die Initiative mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie auszuzeichnen.

Bereits zum achten Mal wird in diesem Jahr der Sächsische Förderpreis für Demokratie vergeben. Aus den eingegangenen 60 Bewerbungen wählte eine prominent besetzte Jury sechs Initiativen und erstmals eine Kommune aus, die sich in herausragender Weise für Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus engagieren und die demokratische Kultur in Sachsen täglich bereichern und fördern.

Die Verleihung des Sächsischen Förderpreises findet am 7. November im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses in Leipzig statt.
Die Laudatio hält Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Bundesjustizministerin a.D.). Bastian Wierzioch (MDR Figaro) führt durch den Abend. Für die musikalische Begleitung sorgt der Leipziger Sebastian Krumbiegel.

Die auslobenden Stiftungen sind die Amadeu Antonio Stiftung, die Freudenberg Stiftung, die Sebastian Cobler Stiftung und die Stiftung Elemente der Begeisterung.