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Laut-gegen-Nazis

Konzerte lassen sich selbst organisieren oder mit professioneller Hilfe, die sehr nützlich sein kann, wenn es um Kontakte zu ‚großen Bands’ geht. Denn nur wenige große Rock- und Popgruppen sind auch zu Engagement auf diesem Gebiet bereit. Die Hamburger Kampagne „Laut gegen Nazis“ bemüht sich kontinuierlich, Künstler daran zu erinnern, dass sie auch ein Teil dieser Gesellschaft sind und Engagement gegen Feinde dieser Gesellschaft für jedermann dazu gehört. Daher organisiert die Kampagne regelmäßig gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung Konzerttourneen im gesamten Bundesgebiet.

Die Touren führen in große und kleinere Städte und sind eine große Ermutigung für die Projektpartner vor Ort. Neben den Musikern kommen auch lokale und überregionale Initiativen zu Wort, die sich gegen Gewalt und Rechtsextremismus einsetzen. Für „Laut gegen Nazis“ standen schon Silbermond, Revolverheld, die Sportfreunde Stiller und viele weitere Künstler auf der Bühne. „Laut gegen Nazis“ ist aber mehr als ein Musikprojekt. Unter diesem Label gibt es auch T-Shirts, Skinhead-Eierbecher, Kondome „Verhütet Euch vor Nazis“ und eine Hörbuch- Edition, die in Kooperation mit Universal Music entstand. Sie will mit ausgewählten Texten verfolgter Autoren im Dritten Reich, die von populären Künstlern gelesen werden, vor allem junge Menschen ansprechen – und sie für das Thema Rechtsextremismus heute und damals sensibilisieren.

Ein Teil des Erlöses aus den Hörbüchern geht zur Initiativförderung an die Amadeu Antonio Stiftung. Die Initiative setzt auch im Sport ein deutliches und lautes Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus. In Kooperation mit dem FC St.Pauli, dem HSV, dem SV Werder Bremen und dem FC Bayern München hat „Laut gegen Nazis“ in der Fußball Bundesliga und bei DFB Pokal-Finalspielen wiederholt Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung im Stadion durchgeführt. Beim HSV durfte das Banner der Kampagne auch über einem der Eingagstore wehen: „Lautgegennazis“ zu sein, das sollte auch allen Fans wichtig sein.

Nützlich sind auch eine Reihe von Erfahrungen, die „laut gegen Nazis“ gesammelt hat. So gibt es eine wahrnehmbare Scheu von Eltern ihre Kinder zu Konzerten unter solch einem Motto gehen zu lassen, weil befürchtet wird, Neonazis könnten solche Konzerte anlaufen, um Krawall zu stiften. Auch manche Manager haben diese Scheu. Dabei ist in der Regel genau das Gegenteil der Fall. Dort wo Neonazis merken, dass laut gegen sie Position bezogen und sich nicht ängstlich weggeduckt wird, trauen sie sich am allerwenigsten hin.

Aus: Holger Kulick (Hrsg.), MUT-ABC für Zivilcourage. Ein Handbuch gegen Rechtsextremismus. Von Schülern für Schüler, Leipzig 2008.
Bei Direktbestellung HIER für fünf Euro zu erwerben.

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