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Nationalismus

Der Begriff Nationalismus wird im politischen und wissenschaftlichen Gebrauch so vielfältig gedeutet wie kaum ein anderer. So kann Nationalismus gemeinsam mit rechten und linken Ideologien auftreten, als Begründung expansiver Politik von Staaten oder als Programm von Befreiungsbewegungen.

Neutral wird Nationalismus beschrieben als Forderung und Streben nach Schaffung und Sicherung eines Nationalstaates. Andererseits ist er auch als aggressive Äußerung eines übersteigerten Nationalgefühls auf Kosten anderer Nationen und Nationalitäten verstehbar.

Möglich ist diese interpretatorische Vielfalt, weil sich schon der Begriff der Nation nicht eindeutig definieren lässt.

Im Rechtsextremismus wird Nationalismus in einen Ultra-Nationalismus überhöht und mit ethnischen, kulturellen und politischen Kriterien der Ausschlusses angereichert, um die Idee der Nation zu einer Idee kollektiver Homogenität zu kondensieren. Die Idee einer "ethnisch reinen" Nation, die auf genetischer Abstammung basiert, charakterisiert den völkischen Nationalismus. Die Nation stellt hier den höchsten Wert dar und wird der Maßstab allen politischen Denkens und Handelns.

Nationalismus eignet sich als Instrument zur Herstellung kollektiver Identität, abseits von den Kategorien Klasse oder Konfession, und vermag starke Verantwortungsgefühle gegenüber dem Kollektiv zu wecken. Letztlich ist die Nation aber eine mehr oder weniger willkürliche Konstruktion, eine nur imaginäre Vorstellung von Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz ist Nation-Sein und Nationalismus ein weltweit bestehendes Phänomen und Ultra-Nationalismus bzw. völkischer Nationalismus ist nach wie vor ein zentrales Element des Rechtsextremismus.

Bulletin 1/2002: Rechtsextremismus heute - Eine Einführung in Denkwelten, Erscheinungsformen und Gegenstrategien. ZDK