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Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle

Ein aktueller Hinweis: Die aktuellen Fallzahlen des BKA für 2016 wurden kürzlich veröffentlicht und werden derzeit mit der Chronik abgeglichen. Fehlende Fälle werden gegebenenfalls eingearbeitet. Wir machen auf dieser Website darauf aufmerksam, sobald die Fallzahlen in der Chronik dem aktuellsten Stand angepasst sind.

Die gemeinsame Chronik der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL dokumentiert Übergriffe auf und Demonstrationen gegen Geflüchtete und ihre Unterkünfte. Die Datengrundlage der Chronik sind öffentlich zugängliche Berichte in Zeitungsartikeln, Pressemitteilungen der Polizei sowie Meldungen lokaler und regionaler Register- und Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Die Dokumentation unterscheidet folgende Vorfälle bzw. Arten von Übergriffen:

- Brandanschläge auf (bewohnte/ geplante/ im Bau befindliche) Asylunterkünfte oder Einrichtungen, die sich unmittelbar für Geflüchtete engagieren

- "Sonstige Angriffe" (z.B. Böller- oder Steinwürfe, mutwillige Wasserschäden, rechte Schmierereien etc.)

- Körperverletzungen und die Zahl der Verletzten [1]

- Kundgebungen und Demonstrationen [2]

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass Vorfälle in mehreren Kategorien gezählt werden, etwa wenn aus einer nicht angemeldeten Demonstration heraus Angriffe begangen werden.

[1] Tätliche Übergriffe/ Körperverletzungen werden in dieser Dokumentation nur dann aufgenommen, wenn der Status der Betroffenen als Geflüchtete bestätigt ist. Das Ausmaß an rasstisch motivierten Angriffen (unabhängig vom Status der Betroffenen) ist jedoch um ein Vielfaches höher und wird in dieser Chronik nicht erfasst. Auch können Übergriffe, die jenseits der angegebenen Kategorien verübt werden, unabhängig ihrer Schwere zwar unter Umständen im Text erwähnt, nicht jedoch in die entsprechende Zählung der Chronik einbezogen werden. Darunter fallen z.B. Übergriffe auf Unterstützer_innen von Geflüchteten. In beiden Fällen geben die Zählungen verschiedener Opferberatungsstellen Auskunft:
→ Übersicht Opferberatungsstellen: http://www.opferfonds-cura.de/hilfe-fuer-betroffene/beratungsstellen
→ Chronik rechter Übergriffe von netz-gegen-nazis: http://www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/chronik

[2] Rechte Demonstrationen und Kundgebungen gegen Geflüchtete können aufgrund des aktuellen Außmaßes nicht vollständig in der Chronik abgedeckt werden. Auch hier sind die realen Zahlen weitaus höher als in der Chronik abgebildet. Die Chronik beschränkt sich seit Januar 2016 auf Demonstrationen, bei denen es zu justiziablen Vorfällen kam (nicht angemeldet, Volksverhetzung, Angriffe auf Gegendemonstrant_innen, Presse, Polizei).

Zuletzt aktualisiert: 22.03.2017

Karte: Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte seit Januar 2015

  • Angriffe auf Asylsuchende und ihre Unterkünfte: 29
    • Davon tätliche Übergriffe auf Asylsuchende (Körperverletzung): 12
    • Davon Brandanschläge auf Unterkünfte: 7
    • Davon sonstige Angriffe auf Unterkünfte und Asylsuchende (Stein-/Böllerwürfe, Schüsse, rechte Schmierereien, Bedrohungen etc.): 10
    • Davon Verdachtsfälle: 8
  • Verletzte Asylsuchende (durch Brandanschläge, tätliche Übergriffe etc.): 17
  • Davon Verdachtsfälle: 6
  • Demonstrationen/ Kundgebungen²: 5
1Verletzte_r
Hörstel
Nordrhein-Westfalen

Zwei unbekannte Männer haben am Nachmittag ein aus Syrien geflohenes Mädchen attackiert. Die 14-Jährige wartete an einer Bushaltestelle, als die Unbekannten auf sie zukamen. Die Männer fragten sie, ob sie Muslima sei. Als sie dies bejahte, soll sie von einem der Täter zu Boden geschubst worden sein. Der zweite Angreifer habe an ihrem Kopftuch gezogen und gegen ihr Bein getreten. Erst als Augenzeugen eingriffen, stiegen die Männer in ihr Auto und flüchteten.

1Verletzte_r
Reute, Bad Waldsee
Baden-Württemberg
Quelle: 

Ein 17-jähriger Geflüchteter wurde am Abend auf offener Straße von zwei schätzungsweise 18-Jährigen angesprochen. Einer der beiden soll ihn aufgefordert haben, anzuhalten. Daraufhin habe der Tatverdächtigen sofort versucht, den Betroffenen ins Gesicht zu schlagen. Er streifte dabei den Hals des 17-Jährigen. Einen weiteren Schlag konnte der Betroffene abwehren, der zweite Tatverdächtige schlug ihm dann allerdings ins Genick. Dabei sollen die beiden Angreifer den Geschädigten rassistisch beschimpft haben.
Der 17-Jährige konnte schließlich flüchten und stellte fest, dass er am Hals blutende Verletzungen erlitten hatte, die in einem Krankenhaus ambulant versorgt werden mussten. Nach den Schilderungen des Geschädigten werden die Tatverdächtigen wie folgt beschrieben: beide etwa 18 Jahre alt und 1,65 Meter groß. Der eine hat eine kräftige Statur und hellblonde, nach hinten gegelte Haare; er trug eine schwarze Jogginghose, dunkle Jacke, darunter ein weißes Kleidungsstück und knöchelhohe, dreifarbige Schuhe der Marke Adidas. Die zweite Person hat schwarze, kurze Haare.

2 Verletzte
Rostock
Schleswig-Holstein
Quelle: 

Eine Gruppe Unbekannter hat am Abend drei junge Männer aus Syrien im Alter von 17 und 18 Jahren attackiert. Laut Polizei sollen die Verdächtigen ihre Opfer zunächst mit rassistischen Parolen beleidigt haben. Als diese versuchten zu fliehen, kam es laut Polizei zu einer "Rangelei", bei der zwei Männer leicht verletzt wurden. Bei den Angreifern soll es sich um Fans des FC Hansa Rostock handeln.

15.03.2017
Geisweid, Siegen
Nordrhein-Westfalen

Der Staatsschutz ermittelt gegen zwei Siegener, die am späten Abend einen Brandanschlag auf eine Asylunterkunft im Ortsteil Geisweid verübt haben sollen. Zeugen hatten beobachtet, dass die zwei augenscheinlich betrunkenen Männer im Alter von 22 und 29 Jahren laut skandierend in Richtung der Einrichtung gingen. Dort versuchten sie vergeblich, mit Hilfe eines Feuerzeugs und einer Spraydose eine vor einem Fenster stehende Mülltonne in Brand zu setzen. Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen bestand noch keine konkrete Gefahr für die Bewohner. Diese wurden auf das Geschehen aufmerksam, woraufhin die Täter flüchteten. Beide sollen die Tat gestanden haben.

13.03.2017

Die Polizei ermittelt gegen 16 Personen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und das Uniformierungsverbot. Als geschlossene Gruppe traten die Personen mit einheitlichen Kutten am Rande der PEGIDA-Kundgebung auf. Auf den Jackenrücken war ein Logo zu sehen, das einen auf einem Schlagring sitzenden Reichsadler zeigte. Außerdem trug das Logo den Schriftzug „Anti-Antifa“.
 
Laut den Dresdner Neuesten Nachrichten treten die Kuttenträger treten schon seit Längerem bei Pegida-Demonstrationen in Erscheinung und waren auch am Rande der Gegendemonstration gegen den Auftritt des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke im Ballhaus Watzke Mitte Januar zu sehen.
 
Laut Dresden Nazifrei sollen die Kuttenträger Gegendemonstrierende provoziert und teils versucht haben, sie anzugreifen.

13.03.2017
1Verletzte_r
Düren
Nordrhein-Westfalen

Am Nachmittag wurde ein 18-jähriger, aus Syrien geflüchteter Mann auf offener Straße lebensgefährlich verletzt. Laut Polizei kam es zwischen dem jungen Mann und weiteren Personen zu einem Streit, dessen Ursache noch nicht geklärt sei. Dann kam es zu einer Schlägerei. „Im Verlauf dieser Schlägerei näherte sich ein ebenfalls noch unbekannter Mann, der ein Samurai-Schwert aus der Scheide zog und mit diesem mindestens einmal in den Oberkörperbereich des jungen Syrers einstach“, sagte die Aachener Oberstaatsanwältin gegenüber der Aachener Zeitung. Der 18-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen, die im Dürener Krankenhaus behandelt wurden. Der Mann war am Tag nach der Tat wieder vernehmungsfähig.

Borna
Sachsen
Quelle: 

Unbekannte haben zwei Hakenkreuze an die Wand eines Hauses geschmiert, in dem Geflüchtete leben.

08.03.2017
1Verletzte_r
Dresden
Sachsen

Sechs Deutsche zwischen 18 und 33 Jahren jagten in der Nacht einen 27-jährigen Mann aus Libyen durch den Hauptbahnhof und schlugen ihn. Laut Polizei war "zumindest die deutsche Gruppe [...] bereits am Dienstagabend aufgefallen, als Polizisten gegen 20.30 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen ihr und einer Gruppe von Zuwanderern auf dem Wiener Platz beenden mussten. Auch in diesem Fall muss die Polizei noch Näheres zum Tathergang ermitteln. Da beide Schlägereien in einem Zusammenhang stehen, hat die Polizeidirektion Dresden die Ermittlungen übernommen."

Marktoberdorf
Bayern

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Kempten Ermittlungen gegen den Marktoberdorfer Stadtrat Peter Fendt von der Bayernpartei eingeleitet hat. Fendt hatte sich auf seiner privaten Facebook-Seite rassistisch über Asylsuchende aus Afrika geäußert.

1Verletzte_r
Bremen
Bremen
Quelle: 

Ein Mann stieg in die Straßenbahn ein. Er ging direkt auf einen Jugendlichen zu und fragte ihn, ob er Flüchtling sei. Nachdem der Jugendliche dies bejahte, soll ihn der Unbekannte als "Scheiß Flüchtling" beleidigt haben. Dann schlug und trat ihm der Unbekannte gegen den Kopf, so die Polizei. Ein Freund und Begleiter des Jugendlichen drängte den Angreifer ab und verließen die Bahn zusammen mit dem 17-Jährigen. Die Polizei sucht nach dem Angreifer.

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