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Neue Rechte

Unter dem Begriff Neue Rechte versteht man eine intellektuelle Strömung des Rechtsextremismus. Erstmals wurden die Argumentations- und Handlungsmuster, die die „Neue Rechte“ ausmachen, in den sechziger Jahren propagiert.

Vertreter der Neuen Rechten wollen rechtsextremem Denken ein neues Erscheinungsbild jenseits des „Ewig-Gestrigen“ verpassen, um damit größere Zustimmung in der demokratischen Bevölkerung zu erlangen. Sie wenden sich scheinbar ab von rückwärtsgerichteter Verehrung des Nationalsozialismus wie auch von scharfen, aber tumben Parolen, um die gleichen Inhalte subtiler und damit konsensfähiger zu verpacken. So wird etwa „Ausländer raus!“ zu „Alle Menschen sollen in den Ländern leben, in denen sie per Abstammung und Tradition zu Hause sind.“ Völkische und nationalistische Ordnungsvorstellungen sollen intellektuell und wissenschaftlich verbrämt als ernstzunehmendes politisches Alternativmodell präsentiert werden.

Den Akteuren der Neuen Rechten geht es einerseits um die Annäherung an die demokratische Gesellschaft, besonders an das wertkonservative Spektrum, und andererseits um Elitendiskurse, um als intellektuelle Spitze ideologiebildend auf die gesamte rechtsextreme Bewegung zu wirken.

Die Neue Rechte ist nicht nicht formell organisiert, sondern formiert sich vorwiegend im Umfeld publizistischer Projekte und in Diskussionsrunden. Die wichtigste Zeitschrift der Neuen Rechten in Deutschland ist die „Junge Freiheit“. In deren Umfeld gehört auch das "Institut für Staatspolitik". Diskussionszirkel sind etwa das „Thule-Seminar“ und die "Deutsch-Europäische Studiengesellschaft (DESG)". Der theoretische Vordenker der Neuen Rechten ist der Franzose Alain de Benoist.

Innerhalb der Neuen Rechten gibt es zwei Flügel: Die Jungkonservativen und die Nationalrevolutionäre. Der jungkonservative Flügel sucht Anschluss an wertkonservativ-demokratische Kreise („jung“ übrigens als Unterschied zum bloß bewahrenden, reaktionären Konservatismus).
Der nationalrevolutionäre Flügel vertritt eine Mischung aus radikal nationalistischem und sozialrevolutionärem Denken. Er propagiert die "Kulturrevolution von rechts", also schon im vorpolitischen Feld die kulturelle Hegemonie zu erlangen, fordert eine Intellektualisierung der Rechten und versucht, den politischen Links-Rechts-Gegensatz zu überwinden, etwa indem er gemeinsame Ideale (Sozialismus) und gemeinsame Feindbilder (Imperialismus, Antiamerikanismus) propagiert. Nationalrevolutionäre proklamieren auch, dass jedes Volk ein Recht auf "nationale Identität" habe - die es aber bitte in seinem Land auslebe (Ethnopluralismus). Nationalrevolutionäre Ideen haben gerade in der NPD einiges Gewicht.

Trotz aller sprachlichen Modernisierung sind die Neuen Rechten allerdings genauso rassistisch, nationalistisch, antisemitisch und autoritär eingestellt wie alle Rechtsextremen.

Standpunkte. Erziehung für Demokratie • gegen Rechtsextremismus, CD-Rom für LehrerInnen. RAA Berlin e.V. / LISUM 2002